Familien in Not – Die Aktion der stiftung stern und wellcome geht weiter

Wann, wenn nicht jetzt? Wer, wenn nicht wir alle?

Vor einem Jahr startete wellcome gemeinsam mit der Wochenzeitschrift stern diese Kampagne, um einkommensschwache Eltern und ihre Kinder zu unterstützen. In nur zwölf Monaten haben sich über 1.150 Menschen bereit erklärt, als Paten das bundesweit bisher einzigartige Modellprojekt zu unterstützen. "Wir sind überwältigt von so viel Anteilnahme", sagt Rose Volz-Schmidt, Geschäftsführerin von wellcome. "Es tut den Familien wirklich gut, das Gefühl zu haben, nicht alles allein schaffen zu müssen.

Über 1.000 Familien mit mehr als 2.000 Kindern haben in den letzten Monaten erlebt, dass sich Menschen kümmern und helfen wollen. Die Paten haben durch ihre Spende gezeigt, dass es Mitmenschlichkeit in diesem Land gibt. Allein das Wissen darum, dass sie nicht alleine sind, hat den Familien Kraft gegeben. Wir haben zahlreiche Geschichten darüber gehört, wie gut diese Patenschaft in einer schwierigen Zeit getan hat.
Viele Familien haben sich in Briefen und mit Bildern, die ihre Kinder malten, bei den Paten bedankt. Da liest man Sätze wie "Sie haben uns sehr glücklich gemacht. Ihre Menschlichkeit hat unser Herz berührt." Oder ein 10jähriger Junge schreibt: "Manche Menschen sind gemein, aber Sie sind die Besten. In der schönen Welt müssen schönere Menschen sein wie Sie. Wir bedanken uns." Oder eine überglückliche Mutter schreibt: "Sie kennen uns nicht und waren bereit, ein fremdes Kind überglücklich zu machen. Menschen wie Sie sind es, die man Engel nennt." Mit dem Geld der Paten wurden Kinderfahrräder, Kinderbetten, aber auch Windelpakete für die Familie mit Drillingen, die dringend benötigten Fußballschuhe gekauft oder ein Ausflug in den nahe gelegenen Tierpark, der eine besonderes Erlebnis für die gesamte Familie war, ermöglicht.

Damit Kinder gesund aufwachsen, braucht es das vielzitierte Dorf. Doch der Alltag bei Familien in Deutschland sieht oft anders aus. Familien leben oft isoliert mit nur wenigen sozialen Kontakten. Das Dorf, das es braucht, um ein Kind großzuziehen, ist nicht mehr vorhanden, sondern muss neu organisiert werden. Es ist noch nicht so lange her, dass die Großeltern oder Tanten um die Ecke wohnten und man die Nachbarschaft gut und lange kannte. Sie alle konnten unterstützen, wenn es mal eng wurde: entweder mit Zeit oder auch mit Geld.

Wir wollen nicht reden, wir wollen handeln. Wir sind davon überzeugt, dass die meisten Eltern das Beste für ihre Kinder wollen. Doch nicht alle schaffen es aus eigener Kraft, die gute Absicht in die Tat umzusetzen. Es fehlt ihnen an allem - an Zeit und an Geld.

Wenn Sie sich für eine Patenschaft interessieren, dann folgen Sie dem Link:www.stern.de/stiftung/ 

Weitere Informationen erhalten Sie: paten@stern.de 
Oder telefonisch unter 040/3703 7887, Nicole Willnow, stiftung stern


Interview mit Rose Volz-Schmidt im "stern" vom 01.12.2009

Die Sozialpädagogin Rose Volz-Schmidt gründete 2002 in Hamburg die Initiative wellcome. Inzwischen betreuen 1500 Freiwillige in über 100 deutschen Städten 2000 Familien. Wellcome-Mitarbeiter unterstützen Mütter im Alltag, erledigen Behördengänge oder vermitteln Kontakte zu Ämtern und Hilfsorganisationen. Bundeskanzlerin Angela Merkel, Schirmherrin von wellcome, lobte anlässlich einer Preisverleihung „die Zivilcourage und das beherzte Eintreten“ der Gründerin. Rose Volz-Schmidt, 54, ist verheiratet und hat drei Kinder. Im April 2009 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz.

Sie arbeiten seit vielen Jahren mit Familien. Was hat sich an deren Situation verändert?
Wir stellen fest, dass es immer mehr Eltern gibt, die gerade noch über die Runden kommen. Was ihre Zeit angeht oder auch das Geld. Deren Gehalt aber oft nicht reicht, um das Nötigste für ihre Kinder zu organisieren. Sie verzichten für ihre Kinder auf persönliche Bedürfnisse, um dann am Ende festzustellen, dass es trotzdem nicht langt.

Gab es nicht immer Familien, die knapp bei Kasse waren?
Dass Familien extrem aufs Geld achten müssen, ist nichts Neues. Aber wir können nicht mehr davon ausgehen, dass sie jemanden haben, der im Notfall eingreift wie sonst Großeltern, Freunde oder Paten, die da sind, wenn sie gebraucht werden. Das müssen wir neu organisieren, und das braucht die Hilfe aller.

Woher wissen Sie, welche Familien konkret was brauchen?
Von den Eltern, die uns anrufen. Sie schildern ihre Probleme und bitten um Hilfe. Weil wir nicht von einer Behörde kommen, vertrauen sie uns ihre Sorgen an. Wir nehmen uns Zeit und betrachten die Gesamtsituation, in der die Familie steckt. Unter den wellcome-Familien gibt es einige, denen mit einer zeitlichen Entlastung aber nur partiell geholfen ist. Bisher hatten wir aber kaum andere Möglichkeiten. Ich kenne eine Familie mit neugeborenen Drillingen, die kommen kaum vor die Tür, weil sie kein Geld für einen Kinderwagen haben. Und gerade jetzt vor Weihnachten ist es für viele Eltern schmerzlich, kleine Herzenswünsche ihrer Kinder nicht erfüllen zu können.

Was fehlt am dringendsten?
Das kann man so nicht sagen. Eine alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern braucht eine andere Unterstützung als eine junge Familie mit vier Kindern. Wir werden mit den Eltern sehr genau besprechen, wie das Geld der Paten eingesetzt wird; wir wollen nicht einfach nur Spenden verteilen. Das Geld soll wirken, damit Kinder gesund groß werden.

Viele Menschen wollen sich auch persönlich engagieren. Wäre dies nicht auch wichtig?
Wir freuen uns über jeden, der uns bei wellcome unterstützen möchte, Zeit mitbringt und Erfahrung. Aber: Bei der Patenaktion wollen wir die Eltern mit Hilfsangeboten, so gut sie auch gemeint sind, nicht bevormunden. Viele Eltern schämen sich, um Hilfe zu bitten. Sie wollen es alleine schaffen. Deshalb müssen wir erst mal Vertrauen herstellen. Vor allem möchten wir ausschließen, dass unter dem Vorwand der Hilfsbereitschaft vielleicht das Gegenteil erreicht wird. Wir möchten im besten Sinne Hilfe zur Selbsthilfe bieten.